FREEZING THE LIGHT: Eric Bergeri Interview

Interview: Luis Naka

1) The Man

Im Jahre 2008 hat Dich die Flofun Webseite betitelt als »... einer der wichtigsten Snowboardfotografen ... einer, der schon zu Beginn aktiv war und nicht mehr aus der Szene wegzudenken ist ...«. Was stehst Du dazu?
Klar, natürlich :)
Nun, ich war nicht wirklich von ganz Anfang dabei, schließlich bin ich auch noch nicht so alt! Aber ich habe mit dem Fotografieren begonnen, als die Sachen noch einfacher waren (weniger Konkurrenz), weniger Professionell und schließlich war auch damals noch mehr Geld zu verdienen als heute.

2) Familie, Kindheit und Jugend

Wie war es damals für Dich als Teenager, aufzuwachsen in den Achtzigern, in einem Ski Resort in Grenoble. Schließlich hast Du den Wintersport damals sicherlich förmlich aufgesogen, dein größerer Bruder war eine Quelle der Inspiration und nach 1993 hat sich Dein Leben stark verändert …
Es war unglaublich spannend in einem Ski Resort aufzuwachsen. Im Winter trampte ich immer nach Hause und schwang mich sofort auf meine Ski um den Berg unsicher zu machen. Natürlich waren die Wochenenden immer mit Skifahren belegt und selbst mit der Schule fuhr man ständig Ski. Zu diesen Zeiten war ich mindestesns 3-4 mal pro Woche auf der Piste!

In den Achtzigern begann ich alles zu fahren, was irgendwie »Slidefähig« war … von Mono-Ski (Ja!) bis hin zu Telemark und zu Beginn der Neunziger schließlich Snowboard.

1993 starb mein Bruder beim Snowboarden. Das hat mir die Augen für das Leben geöffnet, daß alles vergänglich ist.

3) Fotografie x Studium

1994 hast Du begonnen Deine Fotos an Magazine zu verkaufen. Schließlich hast Du Dein Studium 6 Monate vor Abschluß abgebrochen, um nur noch Snowboarden zu fotografieren. Wie hat sich das alles ergeben … hat das Snowboarden wirklich Dein Leben gerettet, bzw. verändert?
Nun, um von ganz vorne zu starten. Ich hatte mich lange Zeit für das Tauchen begeistert und als ich kurz vor meinem Abschluß als Lehrer stand, hat mich das alles irgendwie stark gelangweilt. Schließlich habe ich begonnen, die Unterwasserkamera des Clubs für mich zu entdecken und seitdem kam ich nicht mehr von der Fotografie los. Im darauffolgenden Winter (1993) habe ich mir eine Canon Spiegelreflexkamera gekauft und habe begonnen, meine Freunde beim Snowboarden zu fotografieren. Damals war mein Ziel, mir von den Snowboardfotos mir eine richtig gute Unterwasserkamera zu kaufen.

Das Snowboarden widerrum hat mich buchstäblich einmal um den ganzen Globus gebracht. Aber immerhin habe ich 15 Jahre dazu benötigt. Damals war ich ein richtiger Nerd, ein Biologie-Student … aber das Snowboarden und das damit verbundene Reisen hat mir die Augen geöffnet. Letztlich bin ich mit der Snowboardfotografie »groß« geworden, und ja, es hat mein Leben entscheidend beeinflußt.

4) Analog x Digital

Du gehörst zur Generation, die zuerst einmal völlig analog aufgewachsen ist. Was hat sich Deiner Meinung nach mit der Digitalisierung verändert?
Ich würde sagen, daß die Veränderung durchaus positiv war: Es ist insgesamt günstiger geworden, Fotos zu machen und aus Fehlern zu lernen. Und der gesamte Herstellungsprozess ist schneller geworden.

Natürlich haben durch die Digitalisierung auch die Manipulationen stark zugenommen. Denn mit Photoshop kann man ja relativ schnell Veränderungen am Bild vornehmen und dabei spreche ich jetzt von Snowboard-Fotos. Ich meine, ist es ethisch vertretbar, etwas aus einem Bild zu retuschieren, nur weil man es selber nicht mag? Zur Verdeutlichung … die Grabhand an eine bessere Position zu bewegen, als sie letztlich war oder den Trick »höher« erscheinen zu lassen, indem man den Fahrer weiter nach oben setzt.

Meiner Meinung nach sollten alle Magazine nur DNG oder RAW Files akzeptieren. So kann man auch garantieren, daß das Foto auch so beabsichtigt war. Außerdem haben die Magazine einen besseren Überblick im gesamten Ablauf, sprich, Konvertierung der Bilder von RGB zu CMYK, daß das Bild zum Gesamtkonzept des Berichtes passt usw.

Denn wenn Magazine schon fertig bearbeitet all-in-one Tiff Sequenzen von Fotografen abdrucken, wird dadurch die Tür zu über manipulierten Fotos geöffnet. Nebenbei machen dadurch die Fotografen die Arbeit der Grafiker (weniger Arbeit) und Fotografen machen für das gleiche Geld mehr arbeit als nötig. Und schließlich weiß ein Grafiker generell immer noch mehr über die Bildbearbeitung als die meisten Fotografen.

Die Lösung ist einfach: Kein Tiff, nur DNG oder RAW … und keine bearbeiteten Bilder abgeben, nur um einen Trick besser aussehen zu lassen.

Was kann Deiner Meinung nach durch Digitalfotografie nicht ersetzt werden?
Ganz einfach, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Wissen, wie man Bilder verkauft und ein gutes Netzwerk aufbaut. Und, wann man letztlich auf den Auflöser drücken soll. Digitalfotografie macht ein schlechtes Bild nicht zu einem guten Bild!

5) Einflüsse

Wer hat Dich entscheiden beeinflusst und inspiriert Dich ein Foto?
Nun … Ich mag arbeiten verschiedener anderer Fotografen, sowohl aus der Snowboardszene, als auch »normale« Fotografie. Mich inspiriert viel, aber ich habe keine spezifischen Namen zu nennen.

Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie?

Im Bereich der Snowboardfotografie wird es gerade sehr schwer und eng etwas zu bewegen. Sollte die jetzige Krise noch länger anhalten, werden sicherlich einige Fotografen aufgeben und ihr Betätigungsfeld wechseln.

Das Fotografieren macht 50% des Jobs aus, manchmal sogar weniger. Der Rest ist das Handling des ganzen anderen und sein Netzwerk zu pflegen. Viele der jungen Fotografen neigen dazu, das zu vernachlässigen und denken, daß ihnen die Kunden etwas schuldig sind. Wenn man wartet … wartet man ganz schön lange! Talent alleine ist nicht alles.

6) War Zone

Viele Firmen schicken einen auch oft in Krisengebiete wie Libanon und Kashmir …
bist Du der einzige, der solche Jobs annimt oder wollen die Firmen Dich nur loswerden?
Nun, ich bin kein Selbstmörder und wenn ich das Gefühl hätte, es wäre zu gefährlich, dann würde ich es nicht machen. Es ist nicht so, als ob man mit der US Army in Afghanistan wäre!

Den Iran zu besuchen war für mich z.B. viel interessanter als nach Japan zum zwanzigsten Mal zu fliegen.

7) Louise

Wie hat sich das Leben nach der Geburt Deiner Tochter Louise verändert?

Sie hat vieles in meinem Leben verändert! Aber als geschiedener Dad in Brasilien mit Betätigungsfeld Snowboardfotografie macht die Sache nicht leichter. Die letzten zwei Jahre habe ich zwischen Brasilien und den rest der Welt verbracht.

Dadurch bleibt natürlich nicht viel Zeit, mich mit meiner Tochter zu beschäftigen. Meistens sprechen wir über Skye (dank an die Erfinder!). Aber wenn ich dann mal Zeit habe, dann auch 24 Stunden rund um die Uhr. Diesen Winter wird sie sogar mit dem Snowboarden beginnen!

8) Snowboarding, Business, Media & Soul

Andere Sportarten wie z.B. Skateboarding oder Surfen haben es schwieriger in die Olympische Disziplin aufgenommen zu werden. Wie gut oder schlecht sind die Olympischen Spiele für die Snowboard-Szene?
Ich denke, daß die Olympischen Spiele ein Segen für die ganze Szene sind, zumindest das Format sich nicht zu weit vom Ursprung des Boardens entfernt. Es ist einfach eine gute Werbung für den Sport insgesamt.

Werden die ganzen Magazine angesichts der starkten Veränderung in der Medien-Szene überleben?

Magazine sind der beste Weg seine Fotos zu zeigen! Der Sport ist fotogen und Menschen kaufen die Magazine wegen den Bildern … ja, ich denke die Magazine werden sich halten. Fotos an einem Bildschirm anzusehen ist ein gänzlich anderes Gefühl als Fotos in einem Magazin auf schön gedrucktem Papier anzusehen!

Weitere Infos
www.fluofun.fr